Mit einem Ballon fing alles an

BALLONI

Sibylle Hartung war ihrer Zeit weit voraus, als sie 1989 mit ihrem Partner Wilhelm Blume die alte Kranfabrik in Ehrenfeld kaufte, um dort die BALLONI-Hallen zu eröffnen. Heute würde man es als eine Hipster-Location bezeichnen, damals war es eine mutige Wahl und der Beginn eines bunten Abenteuers.

Interview Wolfgang Schmidt, Xenia Thiem  Fotos Erik Spilles, BALLONI

Wie kamen Sie zum ersten Ballon?

Mein Partner Wilhelm Blume und ich haben Sozialpädagogik, Theaterwissenschaft und Philosophie studiert und mussten uns das Studium finanzieren. Damals fuhren wir als Clowns verkleidet mit einem bunten VW Bus und ein paar Gasflaschen am Wochenende von Stadtmarkt zu Stadtmarkt, um dort Luftballons zu verkaufen. Wir wohnten im dritten Hinterhof der Gutenbergstraße 10 und haben dort in einer Art Holzbarracke einen winzigen Ballonladen eingerichtet. Die Ballons verkauften wir direkt aus Kisten und verdienten unter der Woche vielleicht 50 DM am Tag.

Das klingt als hätten Sie eine besondere Beziehung zu Ballons.

In den 80ern haben wir den Ballon salonfähig gemacht. Mein Partner und ich sind sehr an kreativen Rauminszenierungen interessiert. Für uns ist es wichtig, mit der Architektur der Location oder des Platzes zu arbeiten, um spannende Eye-catcher zu setzen. Die Arbeit mit den Ballons bietet besondere Möglichkeiten! Mit 100.000 Ballons gefüllte Raumdecken oder gedrehte Ballongirlanden formen eine Location völlig neu. Manchmal ist weniger mehr und man erzielt durch einzeln platzierte Großballons, die in unterschiedlichen Höhen schweben ein neues Raumgefühl – fast schon eine Ballon- Skulptur.

Die BALLONI-Hallen sind eine spektakuläre Immobilie in Ehrenfeld. Hier wurden früher Krane gefertigt. Wie kamen Sie auf die Idee, hier Ballons zu füllen?

Unser Ballonladen wurde zu klein und wir suchten eine neue Location. Junge Leute mit einem Dekoladen hatten damals keine guten Chancen, doch über einen Freund haben wir diese Hallen gefunden. Die Fabrik haben wir mit fast nichts 1989 gekauft. Die Umbauten schufen wir hauptsächlich in Eigenleistung – mit Unterstützung eines bekannten Architekturbüros.
1992 wurde die Verkaufshalle – der BALLONI Store – eröffnet. Der Ballon ist neben der Vielfalt an Deko- und Wohnaccessoires, Designartikeln und originellen Geschenken, immer noch ein Thema in unserem Shop. Ein positives Symbol, das eine soziale Verbindung schafft!

Aus den anfänglichen Ballondekorationen entwickelte sich über 25 Jahre eine ganze Eventabteilung. Heute sorgen über 70 Mitarbeiter in den Büros in Köln und Berlin, in den Werkstätten und Eventhallen dafür, dass Veranstaltungen perfekt geplant und durchgeführt werden. Wir realisieren jährlich ca. 450 Events wie Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, große Galas, Tagungen, exklusive Präsentationen und Workshops, bauen Bühnen und große Pavillons. BALLONI schafft den perfekten Rahmen für jedes Event. Von der Planung bis zur Durchführung sind wir mit hoher Kompetenz und Leidenschaft an der Seite unseres Auftraggebers. Teamarbeit, hohe Sachkompetenz, nach wie vor viel Mut zur Innovation und der achtsame Umgang mit Kunden und Produkten spiegelt im Arbeitsalltag die Philosophie wider.

„Jeder Raum ist spannend, jedes Event eine kreative Herausforderung. Bei einem privaten Event interessiert mich zuerst der Mensch, der hinter dem Auftraggeber steht.“

Was ist im Trend bei Events und Dekoration?

Es ist ganz interessant, wie sich das Trendgefüge regional unterscheidet. In Berlin und Umgebung ist Industriedesign immer noch total angesagt. Dort arbeiten wir viel mit Paletten, Gitterboxen und Vintage-Möbeln. Hier in Köln und in anderen Aktionsstätten, setzt sich zunehmend das dänische Lebensgefühl Hygge auch in der Ausstattungs- und Tischkultur durch. Es soll einladend, wohlig, privat aussehen, ohne auf Komfort und Gestaltung zu verzichten. Die Zutaten hierfür sind pures Holz, Rattan, Korb, Teppiche und Kissen aus echter Wolle sowie Felle und natürliche Dekomaterialien. Möbel und Dekoration werden nicht mehr konform, einheitlich positioniert, sondern mit Einzelstücken aus der gleichen Materialfamilie gemischt. Ich mag das, weil ich schon immer gegen uniforme Deko war.

Wie gehen Sie an die Planung eines Events?

Jeder Raum ist spannend, jedes Event eine neue kreative Herausforderung. Bei einem privaten Event interessiert mich immer zuerst der Mensch, der hinter dem Auftraggeber steht. Was ist meinem Kunden wichtig, wie ist der Lebensraum gestaltet? So finde ich die Verbindung zu meinem Kunden und den Weg für ein individuelles Konzept.
Individualität und Unverwechselbarkeit einer Eventausstattung liegen mir besonders am Herzen. Deshalb stehen mein Team und ich in der Planungsphase in ständigem Kundenkontakt – denn ein gelungenes Event wächst im Dialog!